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Transnationaler Europäischer Erfahrungsaustausch

im Rahmen des Equal Projektes Inpower Reisebericht- ASAP Treffen in TURKU, Finnland 23. 24. November 2006


Im Oktober 2006 übernahm ich mit dem Wechsel unseres geschätzten Mitarbeiters Hr. Abdeselam Mahmoudi ins Integrationsreferat der Stadt Graz die Projektmitarbeit im Transnationalen Erfahrungsaustausch im Rahmen des Equal Projektes Inpower mit unseren nationalen bzw. europäischen ProjektpartnerInnen aus Finnland, Italien, Litauen, Polen und Schottland. Dies gerne, bot sich mir damit doch die spannende Möglichkeit, über die im Projekt vorgesehenen Reisen das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Hr. Mahmoudi hatte OMEGA bereits bei den Partnertreffen in Neapel, Glasgow, und Warschau vertreten. Auch hatten zwei Projektmitarbeiterinnen im Projekt Inpower 2006 die Möglichkeit eines Staff exchanges- Mitarbeiterinnenaustausch genutzt und hatten Partnerprojekte in Finnland besucht, um so neue und wertvolle Impulse für die eigene Arbeit zu erfahren. Im September fand das PartnerInnentreffen in Graz statt und bot mir Gelegenheit teilzunehmen und unvermittelt gleich mitten im Arbeitsgeschehen zu stehen.
Im November lud das Projekt ins (durch die Jahreszeit und geografische Lage bedingt) dunkle Finnland ein, wo wir von unseren finnischen PartnerInnen sehr herzlich aufgenommen, bestens betreut wurden und intensiv und konstruktiv in den verschiedenen Arbeitsgruppen tätig waren.

Unserer Arbeitsgruppe (WG 5) hat sich die Erstellung einer Publikation mit dem Titel "Empowering Asylum Seekers- Developing Good Practice" zum Ziel gesetzt und Dank der hervorragenden finnischen Leiterin unserer Arbeitsgruppe, Teja Enoranta, arbeiteten wir inhaltlich sehr konzentriert, bzw. konnten auch Fragen zum Copyright und weiteren Abläufen etc. klären. Ein inhaltliches Highlight war sicher der Besuch in Pansio- eines von insgesamt 15 finnischen Aufnahmezentren für AsylwerberInnen, welches durch das finnische Rote Kreuz betreut wird.

Das Aufnahmezentrum bietet Platz für rund 150 AsylwerberInnen plus eine Wohneinheit für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMAs). Die Flüchtlinge kommen mehrheitlich aus den Ländern Irak und Iran (Kurden), Palästina, dem Kosovo, den Staaten Westafrikas, Somalia und der russischen Föderation. Im Vergleich zu österreichischen Verhältnissen sind diese mit einem Personalstand von einem Manager, einer Bürokraft, fünf BetreuerInnen, einem Finnischlehrer (Unterricht drei Mal wöchentlich), einer Kinderbetreuerin, zwei Nachtwächtern, einem Hausmeister und drei bis vier studierenden PraktikantInnen bestens betreut. Hinzu kommen noch vier BetreuerInnen, eine Sozialarbeiterin und eine Begleiterin zu den Interviews (Kinderrechte) für die UMAs. Der Betreuungsplan für letztere sieht eine umfassende Lebensplanung mittels Finnischkursen, Integration in das Schulsystem, der Möglichkeit in Lehrschulen einen Beruf zu erlernen, Erwerb von Eigenständigkeit aber auch einer intensiven Förderung durch Lernunterstützung, Sport und gemeinsamen Freizeitaktivitäten vor.

Es gäbe noch viel zu erzählen, als Besonderheiten des finnischen Systems blieb mir jedoch vor allem das Gottotamis Gesetz in Erinnerung, welches besagt, dass für AsylwerberInnen die Pflicht besteht, an den für sie organisierten Aktivitäten wie Finnischkursen teilzunehmen. Bei andauernder Verweigerung wird der Unterhalt , welcher alle Kosten, außer der Wohn- und medizinischen Versorgung deckt (um 20% für einen maximalen Zeitraum von 2 Monaten) gekürzt.

Die finnischen GastgeberInnen stellten neben der perfekten Arbeitstreffen- Organisation ein tadelloses Rahmenprogramm auf die Beine, welches uns auf eine Nachtwanderung, erhellt nur durch unsere Laternen, durch Matsch und Gatsch in die finnischen Wälder zu finnischer Sauna und einem wundervollen Dinner in einem Blockhüttenrestaurant führte. Das Besondere an der traditionellen finnischen Sauna ist, dass der Raum 10 Stunden mit einem Holzfeuer beheizt wird, mit dem Effekt, dass sich der am Körper angelegte Russ erst nach Tagen vollständig abschrubben lässt. In diesem Sinne war Finnland eine bleibende Erinnerung und ich freue mich schon auf die Fortsetzung und die zu erwartenden Erfahrungen beim kommenden Arbeitstreffen in Vilnius, Litauen im März dieses Jahres.

Nicola Baloch