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Basispsychologische LehrerInnenausbildung in Identifikation, Umgang und Hilfe für traumatisierte Kinder im Kosovo

2006 ist bereits das fünfte Jahr, in welchem das Land Steiermark Dank der Unterstützung von Landeshauptmann- Stellvertreter Dr. Kurt Flecker unser Projekt "Basispsychologische LehrerInnenausbildung in Identifikation, Umgang und Hilfe für traumatisierte Kinder in Kosovo und Mazedonien" ermöglicht. Im Rahmen des Projektes wurden Seminare für LehrerInnen aus ländlichen Gebieten organisiert und durchgeführt, mit dem Ziel, ihnen Hilfsmittel in die Hand zu geben, wie sie Kinder und deren Familien in der schwierigen Nachkriegszeit kompetent unterstützen können.
Bisher haben bereits 777 LehrerInnen das Programm der dreitägigen Seminare und des erweiterten eintägigen Seminars in diversen Schulen durchlaufen. Es wurden durchwegs positive Rückmeldungen von LehrerInnen, auch in Bezug auf das Schulsystem im Kosovo und Mazedonien registriert. Wir haben ein ausgezeichnetes Trainerinnenteam vor Ort aufgebaut und die Projektpartnerschaft mit Together-Slowenien und der NGO Center for Promotion of Education- QPEA im Kosovo unter der Leitung von Prof. Ramush Lekaj weiter intensiviert.
2006 brachten wir als innovatives Element neben der Unterstützung des schulischen Bereichs und hier vor allem der LehrerInnen einen Brückenschlag in die Projektaktivitäten, um damit eine Verbindung zwischen Schule, NGOs, staatlichen Organisationen, wichtigen VertretInnen des öffentlichen Lebens und Minoritäten im Kosovo zu schaffen. VertreterInnen all dieser Gruppen und - nicht zu vergessen - Eltern und SchülerInnen waren eingeladen, gemeinsam folgende Hauptthemen zu behandeln, welche eine breite Öffentlichkeit ansprechen: Armut, Gewalt und Rolle der Minoritäten und Einfluss der schwierigen Lebensumstände auf die mentale Gesundheit von Familien, insbesondere Kindern. Weitere Themen waren "Freiwillige Arbeit", sowie die akute Problematik von Alkohol- und Drogenmissbrauch aufgrund mangelnder Perspektiven - immer in Verbindung mit Auswirkungen auf die mentale Gesundheit.
Es war uns ein großes Anliegen, Bewusstseinsbildung bezüglich der wichtigen Rolle, welche alle Beteiligten und insbesondere NGOs bei der Demokratisierung des Kosovo spielen, zu schaffen. Ein weiteres wichtiges Anliegen in diesem Projektjahr war das Zusammenbringen von Albanern und Angehörigen ethnischer Minoritäten- wenn nicht unter ein Dach, so doch an einen Tisch. Diese Annäherung stellt einen wesentlichen Faktor für die Zukunft des Kosovo dar.

Im Projektjahr 2006 haben wir das Ziel verfolgt, unsere Arbeit für die Gesellschaft transparent zu vermitteln und sie in die Seminare aktiv zu involvieren, mit dem Ziel auf diese Weise EntscheidungsträgerInnen für die Themen zu sensibilisieren, Unterstützung für die Zukunft zu bekommen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten im Entwicklungsprozess der Reorientierung der Gesellschaft im Kosovo der Nachkriegszeit zu unterstützen und zu forcieren. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks unter den Beteiligten für eine verbesserte und intensivere Kooperation.

In diesem Zusammenhang freuen wir uns, dass das kosovarische Fernsehen sowie Abgesandte verschiedener kosovarischer Ministerien vertreten waren, da dies zur transparenten Vermittlung und breiten Diskussion beiträgt. Nicht zuletzt zeigt sich dadurch auch das große Interesse und die Bedeutung welche die Öffentlichkeit unseren Aktivitäten zumisst.

Die Aktivitäten beschränkten sich im Jahr 2006 auf Grund des engen finanziellen Rahmens auf den Kosovo. Hier konnten wir vor Ort VertreterInnen aller beteiligten Gruppen in drei Modulen mit jeweils vier bzw. fünf eintägigen Seminaren a 30 Teilnehmerinnen erreichen und zum Dialog und konstruktiver Zusammenarbeit über bestehende Ressentiments hinweg einladen. Insgesamt konnten wir in diesem Projektjahr 130 TeilnehmerInnen weiterbilden. Anfangs hatte ich Angst vor der eigenen Courage in der Auswahl der Themen wie "Gewalt und Armut", besonders wegen der sensiblen Thematik "Rolle der Minoritäten" im Kosovo. Meine Sorge war, ob die TeilnehmerInnen diese Themen annehmen würden und wie sie darauf reagieren würden. Nach intensiver Auseinandersetzung unter den PartnerInnen entschieden wir, die Auswahl der Themen, so schwierig sie auch waren, zu belassen, gerade weil es sich um Tabuthemen handelt, deren Behandlung für den Demokratisierungsprozess im Kosovo von großer Bedeutung ist. Das Zusammenbringen der unterschiedlichen Volksguppen und die Akzeptanz der Thematiken, gelang durch den Aufbau eines kombinierten TrainerInnen - Teams von AlbanerInnen und Angehöriger ethnischer Minoritäten.

Das Ergebnis und die Erfahrung aus den drei Modulen gibt uns Kraft und Hoffnung für die Zukunft. Nun wird es möglich sein, auch mit weiteren Minoritäten Seminare zu organisieren und damit einen spezifischen und wertvollen Beitrag zum Demokratisierungsprozess des Kosovo zu leisten. Durch Evaluierung haben wir von TN und auch Minoritäten die Rückmeldung, dass die Seminare sehr erfolgreich waren und sie sich für die Zukunft weiterführende Aktivitäten wünschen.

Die Hilfe, welche betroffenen Kindern so zuteil wird, ist eine Maßnahme zum Durchbrechen der Gewaltspirale, sie trägt zum Demokratisierungsprozess des Kosovo bei und ist letztlich ein Beitrag zur Stabilisierung und zur Friedenssicherung in dieser Region Europas.

Projektleitung
Dr. med. Emir Kuljuh

Projektteam:
Dr. Anica Mikus Kos, Herr Gert Wagner, Prof. Ramush Lekaj, Team von QPEA