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ICAASE
Innovative Care Against Social Exclusion / Innovative Betreuung gegen soziale Ausgrenzung

Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt ICAASE (Juli 2005 - Dezember 2007) zielt darauf ab, Gesundheit und Wohlbefinden von Flüchtlingen, AsylwerberInnen und undokumentierten MigrantInnen auf europäischer Ebene zu fördern. Das Projekt beinhaltet verschiedene Erhebungsaktivitäten (innovative Praxis in der Betreuung der Zielgruppe, der Diagnostik, Datenerhebung und Dokumentation), internationale Treffen und regionale Workshops. Im ersten Halbjahr 2006 lag der Arbeitsschwerpunkt aller ProjektpartnerInnen auf der ersten Hauptaufgabe des Projekts, der Erstellung von länderspezifischen Berichten, welche die formalen Leistungsansprüche von AsylwerberInnen, Flüchtlingen und undokumentierten MigrantInnen sowie Probleme aufgrund von mangelndem Zugang zu Leistungen, darstellen sollen. In Graz wurde diese Aktivität durch verschiedene Zusatzaktivitäten aufgewertet:
Um die Bedürfnisse der Zielgruppen genauer zu erheben, wurden im Rahmen eines "Round Table" unter der Moderation von Anny Knapp von der Asylkoordination Österreich die Erfahrungen von 12 BetreuerInnen von Flüchtlingen und AsylwerberInnen von verschiedenen Organisationen in Graz zu Problemen in der Betreuung und Versorgung sowie Lösungsansätze zusammengetragen. Dabei zeigte sich als problematisch, dass die Versorgung und Betreuung unterschiedlichen Standards entspricht (z.B. aufgrund von Handlungsspielräumen von QuartiergeberInnen) und Lücken aufweist (etwa bei der Versorgung von Neugeborenen). Ein besonderes Problem stellen immer wieder Fahrtkosten und -wege dar, v.a. für in ländlichen Regionen untergebrachte AsylwerberInnen, die beispielsweise Angebote in Graz nur schwer erreichen. Als vorbildliches Beispiel sei ein von einem Nachbarn eines Flüchtlingsheimes angebotener Shuttledienst im privaten Kleinbus erwähnt. Ein weiterer angesprochener Problembereich betraf die medizinische Versorgung und die Krankenversicherung, wo es immer wieder zu Schwierigkeiten aufgrund von uneinheitlicher Leistungsübernahme, bürokratischen Hürden, Informationsmangel und Sprachschwierigkeiten kommt. Die Sprachbarrieren wirken sich generell oft hinderlich aus, gekoppelt mit dem Problem des schlechten Zugangs zu qualifizierten DolmetscherInnen und dem deshalb gängigen Einsatz von Laien, oft Kindern, zum Übersetzen. Als "Model of good practice" sei erwähnt, dass auf der Homepage der Ärztekammer für Oberösterreich bei der Arztsuche online neben Fachgebiet und weiteren Kategorien auch nach der Kategorie "Fremdsprache" gesucht werden kann. Weitere angesprochene Themen waren der fehlende Zugang zum Arbeitsmarkt, sowie zu leistbaren und geeigneten Wohnungen, Informationsdefizite im allgemeinen, die Frage der Integration, die nicht erst nach Abschluss des Asylverfahrens beginnen darf, das Vertrauen in der Betreuungsbeziehung und wie dieses gefördert werden könnte, Kriminalität und der Umgang damit, sowie die Kooperation unter Einrichtungen.

Zur differenzierteren Analyse der rechtlichen Aspekte der Betreuung von AsylwerberInnen und Flüchtlingen auf nationaler und europäischer Ebene konnten zwei freiwillige MitarbeiterInnen mit juristischer Ausbildung gewonnen werden (Ulrike Straka and Anne Mertens), denen wir an dieser Stelle herzlich für ihr Engagement danken möchten.

OMEGA organisierte auch rechtliche Fortbildungsveranstaltungen aus den Bereichen Fremdenrecht und Arbeitsrecht für MigrantInnen und OMEGA-MitarbeiterInnen nahmen auch an externen Fortbildungen zum neuen Fremdenrechtspaket teil. Im Mai wurde bei einem Treffen der ProjektpartnerInnen in Kopenhagen ein Plan für die weitere Arbeit erstellt, insbesondere zur Umsetzung der nächsten zentralen Aufgabe, einer Studie über innovative Praxis in der Gesundheits- und sozialen Betreuung von zur Migration gezwungenen Menschen in den Partnerländern. Ein Erhebungsbogen und ein Plan zur Datenerhebung in jedem Partnerland wurden bereits entwickelt, die Erhebung ist derzeit in Arbeit.

Im Oktober 2006 wurde ein weiteres Treffen in Barcelona abgehalten, bei welchem ein Arbeitsplan für 2007 ausgearbeitet wurde. Ein Schwerpunkt dabei liegt auf den Vorbereitungen für die Konferenz "Migration and Inclusion", also "Migration und soziale Inklusion als Chance und Herausforderung", welche von 10. - 11. Mai im Rathaus in Graz abgehalten werden soll. Im Rahmen der Konferenz sollen innovative Modelle und Ansätze in der Betreuung der Zielgruppen in Form von Präsentationen und Workshops vorgestellt und diskutiert werden. Themen werden u.a. integrierte Gesundheits- und soziale Betreuung, Förderung des Zugangs zu öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen, familienorientierte Betreuung sowie Autonomie und Empowerment sein. Zudem wurde 2006 die Arbeit in den anderen Bereichen des Projektes fortgesetzt.

Sowohl in Graz (unter Durchführung von Andrea Mayr) als auch in Kopenhagen wurden Pilotprojekte initiiert, welche die Erhebung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens von jugendlichen Flüchtlingen und AsylwerberInnen untersuchen. Die in den beiden Studien verwendeten Erhebungsinstrumente bieten durch ihre methodisch unterschiedlichen Ansätze der Datenerhebung komplementäre Zugänge, der eine klinisch und quantitativ, der andere holistisch und qualitativ.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist, ausgewählte Prinzipien aus dem sogenannten "New Public Health" in der Betreuung von Flüchtlingen und AsylwerberInnen umzusetzen. Zu diesem Zweck wird eine Workshopreihe mit zwei Schwerpunkten entwickelt: Public Health und Good Practice Modelle in der Betreuung der Zielgruppe im Bereich Gesundheit. Der erste Workshop zum Thema Frauen und Gesundheit wurde am 31. Oktober 2006 mit engagierter Beteiligung von 22 TeilnehmerInnen aus Österreich und Slowenien im St. Andrä Foyer in Graz abgehalten. Dieser Workshop ergänzte das vielfältige Angebot von Gesundheitsfortbildungsaktivitäten bei Omega (wie sie u.a. von der ICAASE-Mitarbeiterin Nomawethu Kelbitsch (Krankenschwester/Hebamme) durchgeführt werden.

Projektteam:
Peter Kenny, Hermine Gaßner, Gerald Ressi, Nomawethu Kelbitsch, Nicola Baloch, Andrea Mayr, Anne-Marie Miörner Wagner