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Betreuung von Folteropfern - UNVFVT

Grundstein zum modernen Menschenrechtsschutz im Rahmen der UNO ist die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" (10.Dezember 1948). Die internationale Staatengemeinschaft hat seither eine Fülle von bindenden Konventionen, Deklarationen und Resolutionen angenommen, u.a. die "UN-Deklaration zum Schutz aller Personen vor Folter." (1975) sowie die "Europäische Konvention zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe"(1987). Diese Konvention trat 1989 in Kraft. Schutz der Menschenrechte, Prävention von Menschenrechtsverletzungen, Verhütung von Folter stellen auch im 21.Jahrhundert eine große Herausforderung dar. Die UN-Konvention gegen die Folter, völkerrechtliche Verträge und Deklarationen werden auch heute noch in vielen Staaten missachtet, Verletzungen der Menschenrechte und der Menschenwürde sind gravierende Probleme, Folter wird als politisches Instrument, zur Erlangung von Informationen im Verhör oder zur systematischen Unterdrückung angewandt (amnesty international dokumentiert systematische Folter in mehr als 100 Ländern). Gelingt Folteropfern die Flucht aus ihrem Heimatland, können sie in sicheren Staaten um politisches Asyl ansuchen, im günstigen Fall kann nun mit umfassender professioneller Unterstützung der Heilungsprozess beginnen, mit dem Ziel erlebte Traumata zu verarbeiten und Langzeitschäden zu verhindern. Die physischen Verletzungen können heilen, die Rehabilitation seelischer Verletzungen kann nur mithilfe professioneller Behandlung und Betreuung gelingen.

Hilfsorganisationen und Traumazentren wie die OMEGA Gesundheitsstelle leisten mit der Betreuung von Folteropfern einen wesentlichen Beitrag zur Rehabilitation der Opfer von organisierter Gewalt, Hilfestellung im Heilungsprozess und der Reintegration in die Gesellschaft wird geboten. Unsere Arbeit wird vom UNO- Fonds für Folteropfer- UNVFVT unterstützt. Dank dieser Subvention konnten wir im vergangenen Jahr 148 Opfer von Folter behandeln und auf verschiedenen Ebenen betreuen. In ihrer Arbeit in der Betreuung von Folteropfern und Schwersttraumatisierten bemühen sich hochqualifizierte ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen des Teams der OMEGA- Gesundheitsstelle bestmögliche Unterstützung im Heilungsprozess zu bieten und im Sinne unseres familienorientierten Ansatzes auch die Angehörigen in die Betreuung einzubinden bzw. diese in vielen Belangen zu unterstützen.

Durch Folter schwer traumatisierte Menschen können unter starken Depressionen und Ängsten leiden, innere Unruhe, Wahnvorstellungen, Ohnmachtgefühle, Apathie, Gedächtnisschwund und psychosomatische Störungen sind häufig zu beobachten. Die Folgen von Folter haben massive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden der Opfer und beeinträchtigen in hohem Maße auch die Lebensumgebung dieser Menschen.

Dr. Kuljuh beschreibt Traumata als Verletzungen, vergleichbar mit tiefen "Wunden", welche uns zugefügt werden. Zunächst gilt es, die akute Blutung zu stillen und die Wunde medizinisch zu versorgen, damit die Verletzung heilen kann. Was zeitlebens bleibt ist eine Narbe, welche uns stets an die Verletzung erinnert, der Umgang mit dieser Narbe und den damit verbundenen Erinnerungen ist Aufgabe und Herausforderung für die Opfer von Folter und Menschenrechtsverletzungen und deren Angehörige. Konkret ist es für die Betreuung von Folteropfern im Prozess der Bearbeitung ihrer Traumata wichtig, ihnen zunächst dabei zu helfen, sich vor Retraumatisierung und sekundärer Traumatisierung zu schützen, damit die Wunden sich nicht mehr öffnen können. Sicherheit zu geben, Vertrauen und Selbstvertrauen aufzubauen und auf diese Weise über die ureigene Reintegration von Körper und Seele einen Weg zur Reintegration in die soziale Gemeinschaft und die Gesellschaft zu finden ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit. Weitere Leistungen in der Betreuung von Folteropfern sind schriftliche Behandlungsvorschläge mit ausführlicher Erhebung und Dokumentation der Vorgeschichte und der Beschwerden für den lokalen Hausarzt, um Sprachbarrieren zu überwinden, Ersuchen um Transferierung an eine geeignete Unterbringung mit Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten an das Landesflüchtlingsbüro, Schreiben an das zuständige Bundesasylamt mit der Bitte um Berücksichtigung von psychischen oder körperlichen Erkrankungen bzw. an den Unabhängigen Bundesasylsenat mit dem Ersuchen um einen baldigen Abschluss des Asylverfahrens.

Neben der Betreuungstätigkeit für Folteropfer bei OMEGA durch unser multiprofessionelles Team kooperieren wir mit Zebra und Caritas. Auf diese Weise können wir Psychotherapie bzw. sozialpsychiatrische Betreuung für Folteropfer, welche in den steirischen Regionen untergebracht sind, über örtliche Dienste in Judenburg, Kapfenberg, Hartberg und Feldbach organisieren. Weiters wird für Zuweisungen zu niedergelassenen Fachärzten und zu Spitälern gesorgt und es werden DolmetscherInnen für Untersuchungen bestellt.

Zukünftige Projektziele
Soziale Integrationsschritte wie Deutschkurse, Kommunikation und vermehrte Sozialkontakte, die Klärung seines Status über den Abschluss des Asylverfahrens sowie eine finanzielle Absicherung durch Arbeit und eine bleibende gesundheitliche Stabilisierung werden angestrebt.

Projekt-MitarbeiterInnen:
Gerald Ressi, Emir Kuljuh, Margareta Brigitzer, Peter Gletthofer